Die Berliner Firma Dassbach Küchen ist ein echtes Traditionsunternehmen, dessen Ursprünge in die 1920er-Jahre zurückreichen. Der Durchbruch gelang allerdings erst 1953, als Firmengründer Wilhelm Dassbach vom Berliner Senat den Auftrag erhielt, eine für jeden erschwingliche „Sozialwerkküche“ zu entwickeln. Der Architekt meisterte die Aufgabe mit Bravour und entwarf eine auf strengen Normen und Qualitätsvorgaben beruhende Küche, die serienmäßig produziert werden konnte.

Ins Zentrum gerückt. 

Mehr als 60 Jahre später ist Dassbach Küchen eines der führenden Unternehmen in dem Bereich. Doch statt Einbauküchen in Serie verwirklichen die Berliner heute vor allem auch die individuellen Gestaltungswünsche ihrer Kunden. Neben hochwertigen Materialien spiele dabei die durchdachte Gesamtkonzeption der Küche eine Rolle, die sich in einer durchgängigen Linienführung aller Möbel widerspiegele, berichtet René Szielenski von Dassbach Küchen und erklärt: „Die Küche rückt zunehmend wieder in den Mittelpunkt.“

Offene Entwürfe. 

Szielenski ist dabei durchaus wörtlich zu verstehen: Viele Bauherren wünschen sich die Küche im Zentrum ihres Hauses; beliebt sind offene Entwürfe, die die Küche von weitem sichtbar machen. Zugleich verschwimmen aber auch die Grenzen zu anderen Wohnbereichen. „Die Küche soll oft gar nicht mehr als Küche erkennbar sein“, sagt Andrea Männel von der Berliner Architektenkammer und verweist darauf, dass die Küche heute teilweise sogar zum heimischen Büro umfunktioniert oder als Ort genutzt werde, an dem man seine Freizeit genießt. „Der restliche Alltag jenseits des Kochens und Essens wird immer stärker mit einbezogen“, meint die Innenarchitektin.

Gemeinsam kochen.

Diese Erfahrung hat Innenarchitektin S. K.ebenfalls gemacht, deren Büro in Berlin ansässig ist. „In fast jedem Projekt planen wir einen Lebensbereich, in dem man vorzugsweise zusammen in einem Raum kochen, essen und wohnen kann. Alles ist offen gestaltet“, berichtet K. aus der Praxis. Populär seien Barsituationen mit einem Küchenblock oder einer Kücheninsel, an der mehrere Leute wie an einer Bar sitzen und gemeinsam kochen können. „Im modernen Leben haben leider alle immer weniger Zeit und man muss die wenige Zeit, die man hat, nutzen, sich an einem Ort zu versammeln und beim Kochen zu kommunizieren“, so K. Die Küche als Einzelraum, wie sie früher üblich war, werde von Architekten für private Haushalte heute schlicht nicht mehr geplant.

Wohnzimmer wird abgelöst. 

Robert Sachon, Chefdesigner bei Bosch Hausgeräte, beschreibt diese Entwicklung in drastischen Worten: „Das komplette soziale Leben und Erleben wandert in die Küche, während der Stellenwert des Wohnzimmers bis zur Bedeutungslosigkeit abnehmen wird.“

Flexible Gestaltung. Die zunehmende Bedeutung der Küche spiegelt sich in dem wachsenden Bedürfnis nach individueller – und das heißt vielfach: flexibler – Gestaltung wider. So verweist Sachon auf die Kühlschrank-Kollektion seines Arbeitgebers, deren Fronten sich beliebig austauschen lassen – „je nach aktuellem Farbtrend und Geschmack.“ Passend zur Jahreszeit lassen sich derzeit etwa helle Türkis- und Grüntöne auf den Kühlschrank montieren.

Sommerliches Flair. 

Generell verleiht die Farbwahl der mobilen Elemente der Küche schnell ein sommerliches Flair. Ob bei Vorhängen, Tischdecken oder Mobiliar – eine helle, farbenfrohe Dekoration holt den Sonnenschein direkt in die Küche. „Besonders passend sind blaue Elemente, etwa Geschirr, Vasen, Bilder oder Kissen“, meint Nicoletta Zarattini, Inhaberin des Berliner Büros Conscious Design für Innenarchitektur.

Grundstein für die Gestaltung. 

Gleichwohl lässt sich bei der längerfristigen Planung der Küche der Grundstein für eine Gestaltung legen, die sich an die warme Jahreszeit anpassen lässt. Schränke mit großen Glasfronten können beispielsweise immer wieder neu mit gut sichtbaren, dekorativen Elementen passend zur jeweiligen Saison bestückt werden.

Begrünte Küchen. 

Auch eine andere Sommer-idee lässt sich noch besser verwirklichen, wenn sie von Anfang an bedacht wird: Die Begrünung der Küche. „Es bietet sich an, frische Kräuter zu integrieren“, meint die Innenarchitektin S. K. Einerseits sind so frische und leckere Zutaten gleich zur Hand, andererseits bringen Basilikum, Rosmarin & Co. sowohl optisch als auch mit ihrem Geruch frischen Wind in die Küche. Durch Vertiefungen für Pflanzenwannen, beispielsweise in der Arbeitsplatte, kann gleich ein fester Ort für die Begrünung geschaffen werden.

Integrierte Elemente. Grundsätzlich spielt die durchdachte Ein- und Verbindung der verschiedenen Elemente eine immer größere Rolle. „Integration ist der Megatrend in der Küche“, sagt Bosch-Designer Sachon und erklärt: „Vollintegrierte Geräte nehmen sich im Küchenumfeld zurück, andere Elemente wie Kochfelder und Backöfen fügen sich nahtlos ein.“ So gehören klobige, von der Decke hängende Dunstabzugshauben in vielen Küchen der Vergangenheit an. Damit Dampf und Rauch beim Kochen nicht in die anderen Räume ziehen, aber das schöne Gesamtbild erhalten bleibt, werden zunehmend Lösungen populärer, die in den Tisch oder Herd integriert sind. Für Küchen mit Wänden kann zudem auch auf elegante Abzugshauben zurückgegriffen werden. Gerade einmal 24 Zentimeter Bautiefe besitzt die neue Kopffreihaube Smart Flat des Küchenherstellers Franke, der zudem den Geräuschpegel der Abzugshaube noch einmal deutlich reduziert hat.

Hersteller wie NEFF haben ebenfalls entsprechende Angebote parat und integrieren innovative Technik. „Bei vielen Kunden wächst der Wunsch nach Geräten, die sich miteinander verbinden“, meint NEFF-Geschäftsführer Stefan Kinkel und verweist auf die Möglichkeit, Kochfeld und Dunstabzugshaube über das heimische Wlan miteinander zu verbinden. Auch Sensoren, die Dampf, Aromen und Gerüche erkennen und die Abzugsleistung anpassen, sind mittlerweile auf dem Markt. Die Dunstabzugshaube, auf deren magnetischer Frontfläche sich Rezepte anheften lassen, wirkt dagegen fast schon banal.

Technische Entwicklung.

„Die technische Entwicklung fasst in der Küche immer mehr Fuß“, hat auch Innenarchitektin Nicoletta Zarattini beobachtet, die nicht nur Restaurants und Cafés, sondern auch zahlreiche Privathäuser gestaltet hat. Beliebt seien hier vor allem Displays mit Touchscreen und die drahtlose Steuerung über Smartphone oder Tablet. Auch in der Küche werde der gesamte Haushalt zunehmend intelligent vernetzt. Dazu passt, dass sich vor allem moderne Stile einer großen Beliebtheit erfreuen. „Die Mehrheit der verkauften Fronten sind weiß und grau. In Sachen Küche sind die Deutschen also nicht gerade risikofreudig“, sagt die aus Italien stammende Architektin mit einem Augenzwinkern, um sich gleich darauf etwas zu korrigieren: „Es gibt durchaus auch neue Trends, zum Beispiel der Industrial Style.“ Mit unverputzten Wänden, unlackiertem Stahl oder dunklen Materialien erinnert diese Gestaltungsform an alte Fabrikhallen.

Arbeitsplatte als Herzstück.

Tatsächlich versuchen die Küchenhersteller mit zahlreichen Produktlinien, den individuellen Geschmäckern ihrer Kunden gerecht zu werden. Küchen in Naturtönen oder mit kupferfarbener Armatur und Spüle gehören zu den aktuellen Angeboten. Auch bei Arbeitsplatten gibt es immer mehr Vielfalt. „Da muss man Geld ausgeben, um etwas Schönes und Langlebiges zu bekommen. Die Arbeitsplatte macht die Küche“, meint Architektin Zarattini und verweist auf ein gestiegenes Interesse an Materialien wie Naturstein. Auch bei Dassbach Küchen sind es hochwertige Werkstoffe, die verwendet werden. „Im Trend sind etwa Glas oder Quarz“, sagt René Szielenski. Hoher Stellenwert. Für Innenarchitektin A. M. spiegelt sich auch in diesem Punkt der Stellenwert der Küche als sozialer Treffpunkt wider. Durch eine hochwertige Ausstattung werde die Küche nicht nur zum Statussymbol, sondern solle auch gastlich sein und zum Verweilen einladen. Aus dem einst strikt abgetrennten, serienmäßig ausgestatteten Arbeitsraum ist eine individuell gestaltete Wohlfühloase geworden.

Text: Philip Aubreville

Quelle: mdsCreative GmbH – Die Content-Agentur

 

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